Archives for the month of: September, 2010

Stell dir vor: es ist Europapokal und keiner geht hin! So kam es einem leider vor. Nur etwas mehr als 12’000 Zuschauer fanden den Weg ins Wankdorf. Aber ist das wirklich eine schlechte Zuschauerzahl? Zum einen zählen die Jahreskarten nicht und zum anderen gings schon um 19.00 Uhr los. Wer von ausserhalb anreist, schaffts je nach dem nicht pünktlich zum Anstoss. Andererseits ist halt nicht immer Europapokal drin, wo Europapokal darufsteht. Wäre es gegen den selben Gegner um die Champions-League-Trophäe gegangen, hätte der Speaker wohl «Ausverkauft» vermeldet.

Wie dem auch sei: Der Gegner war mit sicherheit kein namenloser Pupsverein aus der ehemaligen Sowjetunion, sondern ein Spitzenclub aus Spaniens Primera Divison. Vor zwei Jahren schieden die sympathischen Vorstadt-Madrilenen erst im Viertelfinale des Uefa-Cups gegen den glorreichen FC Bayern in einem mehr als denkwürdigen Spiel aus [Filmmaterial].

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Die Kartenbestellung für den Gästesektor hatte beim FC Bayern wie immer keinen Erfolg: «Absage Ihrer Anfrage für das Spiel FC Basel  – FC Bayern München». Ich entschied mich dann dafür, auf Ricardo ein Ticket zu ersteigern, statt das Spiel zu verpassen oder ohne Karte anzureisen. Das bedeutete in dem Fall eine Absage an gefühlte 20 Freunde, die sich mit einer Kartenanfrage an mich wendeten. Wie dem auch sei: Ein Europapokal-Auswärtsspiel des FC Bayern ohne Einsatz von Ferientagen zu sehen gibts nicht alle Tage.

Nach getaner Arbeit reiste ich also mit dem ICE von Zürich in die verbotene Stadt. Ich arrivierte nach den Querelen in der Innenstadt, als sich 15 Basler überschätzten und 50 Schickeria-Mitglieder scheinbar grundlos angriffen. Dass diese dann Haue kriegten, den Schwanz einzogen und sich versteckten, ist noch nicht der Gipfel. Der absolute Höhepunkt war, dass die Polizei lieber die angegriffenen Bayern-Fans einkerkerte und erst nach dem Spiel wieder freiliess [Stellungnahme Schickeria].

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Wenige Stunden nach der Rückkehr aus München gings schon weiter Richtung Bern zum Kantonsderby gegen den FC Thun. Mit dieser Mannschaft verbinden mich freundschaftliche Erinnerungen. Verbrachte ich doch während den 1.-Liga-Zeiten des Vereins die halbe Jugend im Lachenstadion (Papa ist Schuld). Im Alter hielt aber dann doch die Vernunft Einzug und YB zog mich gegen Ende der alten Wankdorf-Zeiten und vor allem während der ganzen Neufeld-Phase in seinen Bann.

So durfte es zumindest aus meiner Sicht nur einen Derby-Sieger geben: YB. Leider klappte das wie wir alle wissen nicht. In einem veritablen Grottenkick lag YB dank einem Doppelpack von Moreno Costanzo zweimal in Front. Und trotzdem gelang es den Thunern zwei Minuten vor Schluss noch auszugleichen. Das darf einer Spitzenmannschaft – den Anspruch muss YB mit diesem Kader haben – nicht passieren. Der Ärger musste alsdann mit ein Reihe anständiger Dosenbiere runtergespült werden.

Rund zwei Wochen nach dem Spiel zwischen dem FC Bayern und Mainz 05 folgt endlich der Bericht zum letzten Oktoberfestheimspiel des Jahres 2010. Im Gegensatz zum Spiel vor einer Woche erwischte ich diesmal den richtigen Zug Richtung München – dank fünffachem Vergewissern und zehnmal erhöhter Nervosität. Doch es ging tatsächlich alles glatt. Nochmal Glück gehabt.

In der bayerischen Landeshauptstadt angekommen, steuerten wir die Fan-Arena hinter dem Hauptbahnhof an, wo leckeres Augustiner ausgeschenkt wird. Doch anstatt anschliessend zum Spiel zu fahren, hätten wir besser die Wiesn aufgesucht. Es war eine Grützenkick par Excellence. Eines der schlechtesten Heimspiele überhaupt im neuen Stadion. Gegen vorne lief wenig bis nix und die Abwehr stand öfter im Schilf als ein Pandabär auf der Suche nach seinem Znüni.

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Manchmal wünsche ich mir, kein Fussballfan zu sein, sondern Freund von altgriechischen Malereien oder Hindu-Göttern. Solche Momente dauern aber nicht lange an – vielleicht eine schreinerhandvoll Sekunden. Jedoch war am Samstag in der Früh wieder so ein Moment. Nach dem Rückflug von San Francisco und kurzem Schlaf um sieben Uhr morgens geweckt zu werden ist nicht schön. Aber schliesslich stand ja das Heimspiel gegen Köln auf dem Programm. War aber das Aufkommen des erwähnten Gedankens nur eine Vorahnung auf das, was folgen sollte?

Die Geschichte geht so: Ich stolpere schlaf- nicht betrunken aufs Perron, um den Eurocity Richtung München zu erwischen. Dieser steht auch schon an den Signaltafeln angeschrieben. Ein Zug fährt ein, ich steige ein und fahre los. Soweit, so schlecht.

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Nach vier Tagen San Francisco ging mit dem IDF der geschäftliche Teil zu Ende und ich hatte Zeit, mich den wirklich wichtigen Dingen im Leben zu widmen − dem schönen Fussballsport. Die San José Earthquakes hatten Heimspiel, das sie aufgrund des Umbaus des eigentlichen Heimstadions im Vorort Santa Clara austrugen. Die Unistadt mit immerhin knapp 110’000 Einwohnern war mit dem Zug von San Francisco mit einer 80-minütigen Zugfahrt quer durchs Silicon-Valley problemlos zu erreichen.

Worum es im Spiel zwischen den San José Earthquakes und der Philadelphia Union genau ging, liess sich nicht erschliessen. Die Amis spielen nach dem komischen Playoff-System, bei dem die Gästemannschaft aus Philadelphia, die bei ihrer Anreise drei Stunden Zeitunterschied und knapp 3000 Flugmeilen in Kauf nehmen musste, offenbar schon aus dem Rennen ist. Gaststätte war das aus den 60er-Jahren stammende Buck-Shaw-Stadium, das auf dem Campus der Santa Clara University liegt, und vom Bahnhof bequem in fünf Gehminuten zu erreichen ist.

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«Morn schpiut doch d’Schwiz ds Basu. Gäge London oder so?», fragte mich eine Kollegin diese Woche Montag. Schmunzelnd antwortete ich, dass leider noch ein paar Jungs mitspielen, die nicht aus der englischen Hauptstadt stammen. Die Schweiz bekam das im gestrigen Spiel auch prompt zu spüren. Bereits nach zehn Minuten erzielte der gebürtige Liverpooler und heutige ManU-Spieler Wayne Rooney das Einsnull für die Inselaffen.

Aber vor dem Anpfiff musste ich nebst der Ankunft in Basel-Dorf, wo mich ein heftiger Platzregen begrüsste, das amateurhafte Eintrittsprozedere überstehen. Krönung: Vor dem Sektor D getrennte Eingänge für Männlein und Weiblein. Wer falsch anstand, musste sich durch die wartende Masse zurückdrängeln und neu anstehen, obwohl die Sektoren nur durch eine kleine Abschrankung getrennt wurde. So beobachtete ich, dass die Ordner ein wartendes Paar doch tatsächlich trennten und den Mann zurückschickten und das Übersteigen des Zauns nicht zuliesen.

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«Es sollte so sein wie in einem Theater», beschrieb der beleibte Fifa-Präsident Sepp Blatter seine Wunschvorstellung von einem Stadionbesuch anlässlich des Swiss Sport Forum in Zürich. Blatter wiederholte mantraartig seine Abneigung gegen Stehplätze und will Stadien als «Begegnungsstätten». Seine Forderungen sind indes alles andere als neu und sollen das angebliche Gewaltproblem in und um die Stadien lösen.

Aber wo gibt es in der Schweiz und im umliegenden Ausland tatsächlich regelmässige Ausschreitungen, die Familien und Kinder angeblich den Spass im Stadion verderben? Ich gehe seit nunmehr 15 Jahren regelmässig – das heisst jedes Wochenende und öfter – zum Fussball, habe jedoch noch nie in der Nähe des Stadions körperliche Gewalt gesehen oder erlebt. Ein einziges Mal passierte etwas, doch das war morgens um 10 Uhr am Spieltag in der Hamburger Innenstadt.

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Nach der späten Heimkehr vom letzten Kick zwischen YB und Freiburg musste ich schon um 6.30 Uhr wieder aus dem Haus, weil wir uns für die kostengünstigstmögliche Anreise zum EM-Qualispiel zwischen Belgien und Deutschland entschieden haben. Also fuhren wir mit dem Eurocity nach Chiasso und stiegen dort in einen Regionalzug nach Bergamo um. Mit Umsteigen in Monza dauerte die Fahrt exakt fünf Stunden. Kosten 5,10 Euro.

Anschliessend verpassten wir leider den Bus und mussten auf die Taxe ausweichen, die uns zum Flughafen Bergamo brachte. Kosten 15 Euro. Nachdem noch rasch ein kühles Blondes die Kehlen runterrann, brachte uns der Flieger in ungefähr 1:40 Stunden nach Charleroi. Kosten inkl. Rückflug: 30 Euro.

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Dem Ruf des Wankdorfs lässt sich schlecht widerstehen. So führten mich die löblichen SBB von Zürich nach Bern zum Freundschaftsspiel zwischen YB und dem Bundesligisten SC Freiburg. Da an diesem Wochenende Länderspielpause ist, welten zahlreiche Spieler bei ihren Nationalmannschaften – deren fünf bei Ottmar Hitzfeld. Sowas gabs seit onethousand Jahren nicht mehr.

Im Spiel durften wir den gefühlt dreiundzwanzigsten Neuzuzug dieser Saison begrüssen: Alain Nef. Der Serie-B-Spieler dürfte eine Verstärkung für die Defensive sein. Vor 3’080 Zuschauern zeigte er eine solide Leistung und stabilisierte die Verteidigung merklich. Auch Dudar gab endlich sein Comeback. Dadurch lässt sich nach den zuletzt grottenschlechten Leistungen in der Meisterschaft wieder Hoffnung schöpfen.

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